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Jun 1, 2009

views across ethiopia.


The last months in Ethiopia brought some more travels – to the south, to the north, to the west – and new impressions, new thoughts, new views. ---> Pictures here


Die letzten zwei Monate in Äthiopien boten die Gelegenheit zu weiteren Reisen – in den Süden, in den Norden, in den Westen – und zu so manchen Gedanken:

ETHIOPIAN CULTURE.
Sie gehört zum Nationalstolz und -bewusstsein wie Injera zur äthiopischen Küche. Wie dem Besucher denn die „Ethiopian culture“ gefällt, wird auch sogleich gefragt, gleich nach „woher kommst du?“
Was aber ist genau verbirgt sich hinter dem Begriff? Beinhaltet er die Geschichte des Landes, die Königs- und Kaiserzeit, und die vielen Bauwerke, Ruinen, Monumente die davon geblieben sind? Meint er die Religionen, das äthiopisch-orthodoxe Christentum, die Muslime, und die vielen weiteren Glaubensrichtungen – und deren relativ friedliches Nebeneinander? Oder geht es um die Alltagskultur, aber was wiederum ist damit gemeint?
So ganz ist mir das nicht klar geworden- und vielen Äthiopiern wohl auch nicht. Danach gefragt, müssen die Meisten ein Weilchen überlegen. Eine Antwort gibt es selten – höchstens der Verweis auf das letzte Fest, Weihnachten, Ostern. Ja, das war „Culture.“ die Nacht in der Kirche verbringen, ein Schaf schlachten, ein Festmahl. Also doch wieder das Essen, das geliebte Injera.
Was nicht zu ihrer Kultur gehört, wissen viele dafür umso genauer. „This is not our culture“ ist dann auch eine gerne und selbstbewusst genannte Entschuldigung, für so ziemlich einiges. Wenn es darum geht, ein paar Flaschen von einem überquellenden Café-Tisch abzuräumen zum Beispiel. Oder die herumliegenden Werkzeuge auf der Baustelle zu sammeln:„This is not our culture.“

TRADITION VERSUS MODERNE?
Das soll nicht heißen, dass es nichts gäbe, worauf Äthiopien stolz sein könnte, dass es an „Kultur“ mangelte. Wohl aber an Reflektion darüber und an der Rückbesinnung – und Wertschätzung! – von traditionellem Wissen. Erstrebenswert, was „neu“ und „modern“ ist, verachtet wird das „Rückschrittliche.“ Chinesisches Plastik statt natürlicher Materialien. Antibiotika statt natürlicher Kräuter, Glas und Beton statt Lehm und Natursteinen. Schade, dass Tradition und „Moderne“ in einem solchen (empfundenen) Widerspruch stehen. Schade, dass der Blick in die Ferne den Blick auf das nahe liegende verschleiert.

SO NAH, SO FERN.
Finote Selam ist ein kleiner Ort, an dem wir Training geben. Die Region soll berühmt sein für Bananen, hören wir. In der Stadt aber werden kaum Bananen verkauft – etwas verwunderlich. Bis ich erfahre, wieso: vor einigen Jahren waren die Bananenstauden von einer Krankheit befallen, sie gingen ein. Unterstützung für die Farmer um ihre Pflanzen zu schützen, gab es nicht. Seither haben nur sehr wenige Farmer wieder Bananen angepflanzt, die Meisten haben auf „cash crops“ umgesattelt, Pflanzen für industrielle Zwecke und für Biotreibstoff. Das wir gefördert, es gibt mehr Geld, eine sicherere Zukunft. Auch wenn die Gegend optimal wäre, nicht nur für Bananen, sondern auch für anderes Obst und Getreide, werden diese Lebensmittel aus Addis Ababa eingekauft.
Avocados gibt es dafür, ausreichend, im Hof des Hotels ein großer Baum, schwer mit vollreifen Früchten. Wir sitzen darunter, trinken Avocado-Saft. Frisch vom nahen Baum? Weit gefehlt. Der Manager beschwert sich über die herunterfallenden Früchte, die den Boden verschmutzen. Und schickt seinen Gehilfen los, Avocados von vis-a-vis zu kaufen.
Finote Selam ist ein kleiner Ort, ein ganz normaler Ort, mitten in Äthiopien.

--> und hier endlich: Bilder von den letzten zwei Monaten.

Mar 26, 2009

höhe.punkte .... high.lights


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Originally uploaded by bienemaja

Ethiopia. A country full of highlights, impressive, unique, and impossible to rank. But there is only one highest highlight, the Simien Mountains in the north, with Ras Dashen being Ethiopia’s highest peak (4.543).
Four days trekking on up to 4.200 meters, feeling close to heaven and so far away from the city and all its hassles, its „brothers“ and „sisters“, „hey you“ and „yes, yes“.
On the route, some more highlights, the old capital Gonder, 17th-century royal castles, churches with wonderful paintings, and Bahir Dar, a pleasant city on the lakeshore, (unfortunately not without all those self-made guides, those „brothers“ and „sisters“), monasteries on islands(most of them not accessible for women) and small papyrus boats crossing the blue nile.

--> pictures:
--> http://www.flickr.com/photos/biene_maja/sets/72157615618648328/show/



Äthiopien.
Ein Land voller Highlights, Höhepunkte in allen Himmelsrichtungen, aber der höchste im Norden. Stationen einer Fahrt in die Simien Mountains.

Busstation, nahe Merkato, Addis Ababa.
Sonntag, 5 Uhr früh. Die ganze Stadt ist ausgestorben um diese Uhrzeit, geisterhaft leer, kaum ein Mensch zu sehen. Doch hier sind sie alle, kleben an den noch verschlossenen Bustüren, warten am Straßenrand, ziehen durch die Strasse, dazwischen ein paar Lumpenhaufen, schlafende Bettler, und die Verkäuferinnen, eingewickelt in ihre weißen Tücher, vor ihnen das übliche Brot, die fettigen Donuts, der unglaublich gesüßte Tee.

Minibus, auf dem Weg nordwärts.
12 Stunden, eng zusammengepfercht, ohne frische Luft und Beine ausstrecken. Über viele Kurven durch den Nilgraben, den größten Canyon Afrikas, angeblich vergleichbar mit dem Grand Canyon - auch ohne dort gewesen zu sein, man möchte es gerne glauben.

Gonder.
Ehemalige Hauptstadt, Königsstadt, Paläste aus dem 17. Jahrhundert auf 70.000 m2, einer neben dem anderen, sechs Stück, sechsmal Überreste von Prunk und Machtdemonstration, Burgruinen in Afrika. Kirchen, natürlich, in einer davon die angeblich schönsten Wand- und Deckengemälde des Landes, schon wieder ein Superlativ, und auch das mag gerne wahr sein.

Simien Mountains.
Höchster Punkt Äthiopiens, Ras Dashen, etwa 4.600 Meter (neueren Messungen zufolge „nur“ 4.543 Meter, und damit der fünfthöchste, vielen Äthiopiern zufolge 4.620 Meter und vierthöchster Berg Afrikas).

Der Höhepunkt Äthiopiens? Schwer zu sagen, bei einem Land so voller Highlights. Jedenfalls aber ein Superlativ, schon wieder, fantastische Eindrücke, wunderschöne Ausblicke, man fühlt sich erhaben und klein zugleich. Auch wenn wir nicht am höchsten Punkt waren, ein Hochgefühl, und eine tiefe Entspannung, ein paar Tage Ruhe vor dem Treiben in der Stadt, den „Brothers“ und „Sisters“, dem „Hey you“ und „yes, yes“.

Einzigartig auch die Tierwelt, die lustigen langhaarigen Affen, die Ziege mit den langen Hörnern, der rote Fuchs, der eigentlich ein Wolf ist. Gelada Baboons, Walia Ibex und Abysinnia wolve gibt’s nur hier in Äthiopien, manche davon sogar nur in diesen Bergen.

Erholung pur, nicht ohne Luxus, hier ist es leistbar, mit uns eine kleine Delegation, Koch, Guide, Scout, Mulis, Muli-Treiber, vier Tage Arbeit für sechs Leute, nicht zu vergessen das Mädchen im Reisebüro, die so freudig gerufen hat „Thank you for giving us the job opportunity“.

Bahir Dar.
Eine schöne Stadt am Ufer des Lake Tana, mit palmengesäumten Alleen, sauberen Strassen, aber da sind sie wieder, die „brothers“ und „sisters“, und all die selbsternannten Guides. Mitten im See kleine Inseln, darauf Klöster, Kirchen, sicher schön, die meisten jedoch nicht zugänglich für Frauen. An der Quelle des blauen Nils, der dann weiter durch Sudan und Ägypten fließt, fahren Fischer auf kleinen Papyrusbooten, ein bisschen wie der kleine Mose im Weidenkörbchen.

Minibus, retour.
12 Stunden, eng zusammengepfercht, aber Beine ausstrecken kann man, immer wieder, beim nächsten Reifenplatzer und der stundenlangen Wartezeit mitten im Nirgendwo. Irgendwann wird es auch den Äthiopiern zu viel, Meuterei im Minibus, ein kollektiver Streik, eine kurze Schlägerei mit dem Fahrer, und schließlich, endlich, ein klappriger, aber intakter Minibus, die letzten Stunden nach Addis, zusammengepfercht, ohne frische Luft und Beine ausstrecken, aber wir fahren, darauf kommt’s doch an.


--> Bilder von der Höhe und Höhepunkten.
--> http://www.flickr.com/photos/biene_maja/sets/72157615618648328/show/


Mar 9, 2009

On Business - to the east, to the north.


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Originally uploaded by bienemaja
A business trip to eastern and northern Ethiopia - visits to TVET Colleges, University Construction Sites, and many many hours on the road. New impressions of rural and urban Ethiopia -
- from tiny, quiet Asela to modern, pleasant, hot Dire Dawa. What should a goat be thinking when feeded by the butcher? to muslim, narrow, old Harar. Some very poor very friendly people invite me to a coffee ceremony early in the morning with all the neighbours joining in.
--> pictures here.
- and up to the north, Mekele, close to the Danakil depression, with Danakil salt being sold in whole pieces at the market, and wonderful old stoned walls all over the city.
--> pictures here


Ein Business Trip in den Osten und Süden Aethiopiens. Besuch bei TVET Colleges (Berufsschulen), Universitäts-Baustellen und viele Stunden Autofahrt bringen neue Eindrücke von Land und Stadt...

...vom kleinen, ruhigen Asela bis zum modernen, heissen, angenehmen Dire Dawa mit seinen breiten, palmengesäumten Alleen. Die Schulen- teilweise baufällig, eine Müllhalde, eine Schule? Und was sollte sich die Ziege denken, die gerade vom Metzger gefüttert wird?
Weiter nach Harar, eine muslimische Altstadt mit engen Gassen und schlechter Kanalisation, dennoch charmant. Frühmorgens in der Stadt, eine in Lumpen gekleidete Frau in bester Laune versucht mit mir zu sprechen, zieht mich an der Hand mit, lädt mich zu sich nach Hause ein, Kaffee-Zeremonie, in einer Lehm-Baracke, nach und nach kommt die ganze Nachbarschaft dazu, jeder bringt was mit, Stunden vergehen, von Harar habe ich nicht viel gesehen, dafür aber wohl mehr von Äthiopien als bisher..
--> Bilder aus dem Osten

... weit im Norden, Mekele, am Rand der Danakil-Ebene, Wüstengebiet, am Markt wird Danakil-Salz in grossen Kristallen verkauft. Die Stadt gebaut aus wunderschönen Natursteinmauern, und dazwischen die Moderne, mehrstöckige Glasbauten, bald müssen auch die Steinhäuschen in der Altstadt für eine weitere Strasse weichen.
--> Bilder aus dem Norden

Feb 9, 2009

Heading south and back in time.


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Originally uploaded by bienemaja

A journey to south-eastern Ethiopia. Four faranjis (foreigners), an old (so-called „brand-new“) Landcruiser, a driver with little knowledge of English and the region, but lots of loyalty and good humour, enough water and sleeping bags, not enough gasoline and tents, national parks, (almost) impassable roads, tribal people, 11 days of adventure, fun, marvellous places, a unique experience. (And – believe it or not – we’ve seen a real african lion. No, not in the zoo. And no, I don’t have a picture to proof it... but here are all the other pictures:

-> http://www.flickr.com/photos/biene_maja/sets/72157613278226955/show/



AB IN DEN SÜDEN.

Ein etwas in die Jahre gekommener Landcruiser, ein Fahrer ohne Englischkenntnisse, dafür mit schlechtem Orientierungssin (und trotzdem - liebenswert), genug Wasser, Trockenfutter und Schlafsäcke, nicht ganz genug Benzin und Zelte, vier abenteuerlustige Faranjis (Ausländer), und kein Plan: Los geht’s in den Südwesten Äthiopiens- auf eine Reise in eine andere Zeit.

Hinaus aus Addis– die Landschaft verändert sich langsam, wird erst trockener, dann grüner, bewaldeter. Vorbei an kleinen Siedlungen, einzelnen Häusern, Rundhütten, Lehmbauten, hindurch durch Rinder- und Ziegenherden.
Unweit südlich der Hauptstadt, eine kleine Felsenkirche, die Südlichste Äthiopiens, Adadi Maryam. Wohl kein Vergleich zu ihren nördlichen Äquivalenten, aber ein schöner Abstecher, Kühle und Stille in den Boden gegraben.

Weiter südwärts, entlang dem Rift Valley, die Landschaft zieht vorbei, die Schlaglöcher werden mehr, die Strasse weniger. Vorbei an winkenden Händen, rufenden Mündern, links und rechts, der freundliche Gruß geht nahtlos über in ein Bitten, ein Betteln, das „Hallo“ in „Hungry“ und „Highland“ . Wir brauchen ein Weilchen, um zu verstehen, dass damit wirklich die Plastikflaschen des „Higland“-Wassers gemeint sind – leer natürlich, das Wasser wird in einer an und für sich wasserarmen Gegend weggeschüttet, die Flaschen aber am Markt verkauft.

Eine Dorze-Siedlung auf über 2.000 Metern, ein traditionelles Dorf, Hütten aus Bambus und Enset (falschen Bananen), werden erst 8 Meter hoch gebaut, und im Lauf der Zeit von Termiten um einige Meter gestutzt. In den Häusern wohnen Mensch und Tier nebeneinander, draussen wird gewebt, die Stoffe von hier sind bekannt in ganz Äthiopien.
Wir sind etwa 500 km südlich von Addis, und weit weg von der „westlichen Welt.“ Möchte man meinen. Bis man im Dorze-Dorf die Toilette besucht, ganz neu gemacht, wie man uns stolz erzählt, ein richtiges westliches Klo, auf ein Loch im Boden gestellt, ohne Wasser, mitten im Nirgendwo.

Arba Minch, die wichtigste Stadt in Südwest-Äthiopien, nicht viel mehr als eine Strasse, glaubt man, aber dennoch etwa 80.000 Einwohner, und ein wundervoller Ausblick auf den Nechisar Nationalpark: Berge, Seen – einer kupferrot, der andere kobaltblau – und eine weite Ebene, Zebras, Gazellen, Krokodile, Nilpferde. Und: eine Herausforderung für Auto, Fahrer, und die Nerven.

Vorbereitungen für Omo, unser eigentliches Ziel, noch einmal Aufstocken mit Wasser, eine langwierige Suche nach ausreichend Benzin, ein unfreiwilliger Reifenwechsel, und schließlich geht es westwärts, hinaus aus der „Zivilisation“.

ZURÜCK IN DER ZEIT.

Das Omo-Valley - eine trockene Ebene, staubige Strassen, großteils unpassierbar in der Regenzeit, rote Termitenhügel, meterhoch, Hütten aus Stroh und Lehm, eine – relativ – unberührte Gegend Äthiopiens. „As close as one can come to an Africa untouched by outside influences“, so der Reiseführer, aber dennoch: Touristen hier sind so selten auch nicht mehr, Jeeps mit Touristengruppen kommen uns täglich entgegen - wenn auch meist an einer Hand abzählbar.

Touristen und Einheimische, hier prallen zwei Welten aufeinander, gänzlich unterschiedliche Lebensformen, man muss sich fragen, was die anderen bei dieser Begegnung denken, empfinden, und es scheint, dass man sich gegenseitig kaum verstehen kann, nicht nur wegen der Sprache, wenn man es den wollte.

Die meisten Touristen, die hier herkommen, tun dies, um die „Eingeborenen“ zu sehen, ein grosses, lebendes Museum, etwa 30 verschiedene Stämme, die hier in einer anderen Welt, einer anderen Zeit leben, mit eigenen Sprachen, Bräuchen, Traditionen. Menschen, sich mit Ziegenfellen kleiden, aus Kürbisgefässen essen und trinken, und ihre Körper mit Arm- und Fussreifen, Körperbemalung, Glasperlen, Federn und auch Narben schmücken. Besonders bekannt und entsprechend besucht – die Mursis, ein Volk im Mago Nationalpark, auch „Tellerlippen“ genannt, da die Frauen in ihren aufgeschnittenen Unterlippen tellergrosse, verzierte Tonplatten tragen.

Die Einheimischen begrüssen die Touristen überschwänglich und fordernd, sie verlangen nach Highland, Stiften, manchmal auch nach unseren T-Shirts, immer aber nach „Foto“ und im gleichen Atemzug „Birr“, dem Preis dafür, 10 bis 20 Cent. Besonders aggresiv – die Mursis, kein Foto machen gibt’s nicht, Tourist = Foto = Geld, und damit erschöpft sich die Interaktion und das gegenseitige Intersse, aus dem Geld wird seltener Essen, Medikamente oder Tiere gekauft, und häufiger Alkohol und Waffen.

Abseits der Zivilisation, im Mago Nationalpark, was viele Touristen nicht wissen – es gibt hier nicht nur Mursis, sondern echtes Safari-Feeling in Äthiopien, Kudus, Dik-Diks, Wildschweine, Elefanten und Löwen, Akazienwälder, Steppe, ein Campingplatz inmitten der Wildnis, ein schwer bewaffneter Guard schützt Leib und Leben vor unbekannten Bedrohungen, nur nicht unser Essen vor den Affen. Auf der Suche nach Elefanten sehen wir ein Löwenweibchen – ganz echt, ganz lebendig, und ganz in freier Wildbahn, nur das Foto kam ein ganz klein wenig zu spät.

Auf dem Rückweg ins moderne Addis – und zurück zur Arbeit – noch ein Zwischenstopp in Langano, Campen am See, dem Einzigen in Äthiopien in dem man Schwimmen kann, auch wenn das braune Wasser nicht danach aussieht. Daneben, ein Nationalpark, noch zwei Seen, hunderttausende Flamingos, ein schönes rosarotes Bild, ein furchtbarer Gestank. Das ruhige Wochenende wird keines, Langano ist Party-Zone für die Kids der äthiopischen Upper-Class, dieselben acht Lieder, die ganze Nacht, für uns zum Mitsingen, „Addis Abeba....“


-> Fotos vom Trip in den Süden (bitte Zeit nehmen ;)) hier: http://www.flickr.com/photos/biene_maja/sets/72157613278226955/show/


Jan 26, 2009

Leben in Addis


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Originally uploaded by bienemaja

(pictures see below.)

Zwei Monate Leben in Addis. Ein paar Eindrücke, ein paar Einblicke:

ZUHAUSE (1):
Bole Homes - bis auf die nachtaktiven Hunde eine ruhige Gegend, für die äthiopische Upper-Class und nicht wenige GTZ-Mitarbeiter und -Praktikanten, direkt neben Flughafen, GTZ-IS Zentrale und Minibusstation. Die regelmässigen Stromausfälle sind hier weniger häufig, der Wasserdruck erlaubt (meistens) eine angenehme Dusche: Luxus in Äthiopien.

ZUHAUSE (2):
Die TG-Bar, eine kleine Eck-Kneipe zwischen Arbeit und Zuhause (1), nicht viel mehr als ein Loch in der Wand, aber frischgezapftes Bier um 40 Cent, gutes Tibbs-Firfir (Fleisch, Sauce und das obligate Injera zu einer Pampe vermischt), und Karambolage (ein höchst innovatives Spiel auf Billard-Tischen, eine Mischung aus Boccia und Kegeln mit Mensch-Ärgere-dich-nicht Figuren). Ein häufiger und willkommener Stopp nach der Arbeit, vor dem Weggehen, und überhaupt. Der Kellner kennt uns schon, freut sich über unser Kommen, die anderen Gäste weihen uns ins Karambolage-Spiel ein, lachen über die komischen Faranjis, die sich so ungeschickt anstellen, und über die – meist – einzige Frau in der ganzen Bar.

ARBEIT:
Immer wieder neue Überraschungen, Herausforderungen, Stolpersteine. Immer aber: auf der Suche nach Möglichkeiten, das Konzept zur Weiterbildung für Handwerker im Baugewerbe umzusetzen, zuerst in einem Trainingscenter ausserhalb von Addis, seit Neuestem – überraschend – vom TK-Building (GTZ-IS Zentrale) aus, und man wird sehen wie es weitergeht. Jedenfalls immer spannend, viel zu tun, und ein hochmotiviertes Team.
Besuch bei der Uni-Site in Adama: die Grösse dieses Projektes – ansatzweise – vor Augen geführt. Und, wie unterschiedlich die Mittel für ein solches Bauvorhaben hier in Äthiopien sind.

WEIHNACHTEN (1):
Der 24. Dezember, ein ganz normaler Tag in Äthiopien. Für „uns Deutsche“ (irgendwie bin ich hier halt auch eine Deutsche, auch wenn ich mich noch ein wenig dagegen wehre) ein freier Tag – am 25. wird wieder gearbeitet. Ein Weihnachtsfest mit Praktikanten und bei angenehmen Temperaturen, Frühschoppen auf der Terrasse, Grillen im Garten, Weihnachten? Sommerfest? Auf jeden Fall gemütlich.

WEIHNACHTEN (2):
Der 7. Jänner, ein grosser Tag in Äthiopien. Schon am Vortag werden die Festtagsbraten nach Hause gezogen, gezerrt: Ziegen, Schafe, auch ein paar Ochsen. Frauen bemustern die Tiere, greifen am Bauch, den Beinen, genug für die ganze Familie?
Frühmorgens am nächsten Tag, die Sonne geht hinter der Kirche auf, in der Kirche ist es ruhig, die Festmesse ist schon vorüber, viele Äthiopier haben hier die ganze Nacht verbracht. Einige weissbekleidete Gläubige sind aber noch da, küssen die Türen, Wände, den Boden. Ein Handy klingelt in der Kirche, es tönt „we wish you a Merry Christmas“, wie passend. Auf dem Nachhauseweg liegen nun die Reste der Ziegen und Schafe herum, hier ein Kopf, dort ein paar Innereien. Alles andere wurde zu Doro Wat verkocht, eine pikante Sauce aus Fleisch und Ei, dazu Injera, ein Weihnachts-Festessen nach der langen Fastenzeit.


AM MARKT
Merkato: Die wichtigste Bezugsquelle in Addis für Waren aller Art, von Gewürzen aus Äthiopien, Second-Hand Kleidung aus Europa und USA, bis zu Billig-Bauteilen aus China. Der größte Markt in Äthiopien, angeblich sogar ganz Afrikas. Eigentlich ein ganzes Stadtviertel, man braucht Tage – wenn nicht Wochen – um es zu erkunden, und vermutlich Jahre, um sich hier zurechtzufinden. Eine dichte Welt aus Menschen, Waren, Farben, Gerüchen, Geräuschen. Eine Herausforderung für die Sinne, ein Erlebnis, und sicher nicht mein letzter Besuch bei diesem Markt.

--> Fotos hier / pictures here:
http://www.flickr.com/photos/biene_maja/sets/72157612966279377/show/

Dec 17, 2008

Mitten in Aethiopien


the butcher, addis abeba
Originally uploaded by bienemaja

(pictures see below)

Addis Abeba, offiziell 3,5 Mio. Einwohner - inoffiziell habe ich auch schon Zahlen um 7 Mio. gehoert. Hauptstadt und geographischer Mittelpunkt Aethiopiens.
Mitten in Aethiopien – und trotzdem naeher an der „westlichen Welt“ als wohl sonst wo in diesem Land.

Hochhaueser, Glaskomplexe, Hotels, ueberall Baustellen, graue Betonkloetze hinter wilden Eucalyptus-Geruesten, werden neue Hotels, Glaskomplexe, Hochhaeuser, und dazwischen Wellblechhuetten, Shophaueser, Slums.

Schuhputzer schrubben unaufhoerlich Staub von unzaehligen Schuhen, um Nachschub kuemmern sich verlaesslich die Loecher, Schutt und Dreck der Gehwegen und Strassenraender.

Schafe grasen das bisschen gruen vom Strassenrand, von Jungen mit Stoecken zusammengehalten, und weitergetrieben.

Die flehenden Blicke der unzaehligen Bettler, fehlende Gliedmassen, Deformationen und bittere Armut zwingen zum Wegsehen, erlauben kein Wegsehen.

Sonnenbrillen, Erdnüsse, Armbänder, Kekse, Tupperware, Colaflaschen, Guertel, Buecher aus den 90ern, ueber Management und Computerprogramme, Englisch und religioese Themen, auf Decken ausgebreitet, ein paar Birr fuer Aethiopier, ein paar hundert fuer faranjis, fuer Auslaender.

Die Strasse, ein Chaos blau-weisser Minibusse, Taxis, alten Klapperkisten, einigen schicken neuen Jeeps (wem die wohl gehoeren, und woher die Gelder kommen?), Kühen, Eseln, Schafen, und Fussgaenger, alles faehrt, laeuft, trabt kreuz- und quer ueber die Fahrbahn.

Der Verkehr kommt kurz zum Stillstand, eine rote Ampel, eine blockierte Kreuzung. Das Chaos geht weiter, von links, von rechts, Bettler, Kinder, Money, Money, Hungry, Haende klopfen, Nasen unter grossen Augen werden gegen die Scheibe gepresst.

Fruehmorgens,, Fahrt hinaus in die Arbeit, auf der Ringroad- einer mehrspurigen Schnellstrasse. Neben uns Radfahrer, Fussgaenger, gemuetlich schwatzend, lachend, der Verkehr braust ihnen entgegen und an ihnen vorbei.

Zu Fuss durch Addis, alleine, niemals alleine. „Hello, Hello“, „How are you“, „Fuck you“, „Fuck me“, „Money, Money“,„„Sex, Sex“, „Hungry“, „Beautiful“, „Give me, Give me“ , „I want to marry you“.

Monotoner, steter Gesang aus den orthodoxen Kirchen, immer und ueberall, tagsueber einschlaefernd, laesst einen fruehmorgens doch nicht schlafen.

Der Geruch nach Injera und Berbere, saeuerlich und scharf, unverkennbar, nach frischem Kaffe, nach Muell und Urin, und dunklen, feuchten Ecken.

Ich bin in der Mitte Aethiopiens angekommen, aber doch noch lange nicht mitten in diesem Land, zu klein sind noch die Beruehrungs- und Schnittpunkte mit den Menschen, dieser Kultur. Ich werde weiter berichten, jedes Mal hoffentlich ein wenig mehr aus der Mitte Aethiopiens.

à Fotos hier / Pictures here http://www.flickr.com/photos/biene_maja/sets/72157611081815786/show

Nov 25, 2008

Zurück und wieder weg. Einstimmung auf Äthiopien.

Kaum zurück aus Asien, ruft das nächste "Abenteuer", und es ruft sehr laut.  
In wenigen Tagen geht es wieder los, wieder in den Flieger, in ein neues, (noch) unbekanntes Land, auf nach Äthiopien. Diesmal soll es etwas länger werden, 6 Monate arbeiten in der Hauptstadt Addis Abeba, und danach... wer weiss...


Äthiopien
Was wusste ich über dieses Land?
  Armut.
  Hunger.
  Ost-Afrika.
  Gute Läufer.
  Schöne Frauen, schöne Männer.

Keine lange Liste für ein Land, in dem ich ein Praktikum in der Entwicklungszusammenarbeit machen möchte. Also habe ich mich ein wenig schlauer gemacht.

Äthiopien.

Die "Wiege der Menschheit" - aus dieser Gegend dürften unsere (zugegeben weit entfernten) Vorfahren stammen. Lucy, immerhin 3,5 Mio. Jahre alt, und 1974 in Äthiopien gefunden, zeugt davon.

Heimatland des Vorbilds der Rastafari-Bewegung: Haile Selassie, von 1930-1974 (mit 5-jähriger italienischer Unterbrechung) Kaiser Äthiopiens, Geburtsname Ras Tafari Makonnen, wird als wiedergekehrter Messias verehrt. Die Farben Rot-Gold-Grün sind nicht zufällig die umgekehrte äthiopische Flagge.

Dreimal so gross wie Deutschland,  (1.127.127 km2) bei etwa gleich viel Einwohnern (82.500.00). 

Das Nationalgericht heisst Injera, ein säuerliches Brot aus Teff, einem Getreide, das (fast) nur in Äthiopien als Nahrung angebaut wird. Das Brot ist Teller und Besteck für die fleischigen oder vegetarischen, und oft sehr scharfen Saucen zugleich.

Die Nationalhymne heisst Wädäfit Gäsgeshi Wudd Ennate Ityop'ya - "Marschiere voran, liebe Mutter Äthiopien". Mit dieser Melodie. 

Grenzt an Dschibuti, Eritrea, Kenia, Somalia und den Sudan. Seit der Unabhängigkeit Eritreas, 1993, liegt Äthiopien nicht mehr am Meer. Mit Eritrea gibt es immer wieder Grenzkonflikte. Konflikte auch mit Somalia, dem Äthiopien am 24.12.2006 den Krieg erklärt hat, um die Union islamischer Gerichte (die auch die Region Somali in Äthiopien beansprucht) zurückzudrängen. Gilt auch als Stellvertreterkrieg mit Eritrea. 

Amtssprache ist Amharisch, die Sprache der zweitgrößten Bevölkerungsgruppe, den Amharen. Sie machen etwa 20-30% der Bevölkerung aus. Daneben existieren noch etwa 79 andere ethnische Gruppen. 

Eines der ersten christlichen Königreiche (Axum in Nordäthiopien). Die äthiopisch-orthodoxe Kirche prägt das Land noch heute sehr stark. Die Gläubigen machen etwa 35-50% der Bevölkerung aus (die Zahlen dazu sind sehr widersprüchlich), etwa gleich stark (bzw stärker oder schwächer, je nach Quelle) ist der Islam (40-50% Muslime), daneben Protestanten, Katholiken und Anhänger von Naturreligionen. 

Einer der ältesten unabhängigen Staaten der Welt (zählt man die 5-jährige italienische Besetzung von 1936-1941 nicht mit, die ausser einigen guten italienischen Restaurants nicht viel Spuren hinterlassen haben dürfte).

Subsistenzwirtschaft spielt eine grosse Rolle, und Landwirtschaft macht 60% der Exporte aus. Niederschlagsschwankungen, Dürren, Entwaldung und die Überbeanspruchung von Böden bereiten dementsprechend gravierende - ja, fatale - Probleme. 

Heimat des Kaffee Arabica, und - wenig verwunderlich - Kaffee ist auch  Hauptexportprodukt  (Hauptabnehmer ist Deutschland). Etwa 15 Mio. Äthiopier leben vom Kaffeesektor. Neben Kaffee werden Gold, Tiere, Leder und Ölsaaten exportiert.

Die äthiopische Zeitrechnung ist ca. 8 Jahre "hinter" unserer Zeitrechnung, seit dem 12. September 2008 (unserer Zeit) ist dort das Jahr 2001. Weihnachten wird übrigens am 7. Jänner gefeiert. 
"Capacity Building" ist ein wichtiges Schlagwort der Regierung auf dem Weg aus der Armut, sogar ein eigenes Ministerium gibt es dafür. Capacity Building steht auch im Zentrum des Programms der GTZ - dem Bau von 13 Universitäten und dabei Modernisierung des Bausektors - bei dem ich mitarbeiten werde. 
Und hier noch eine kleine Zahlenreihe, vom höchsten Berg zur tiefsten Ebene, und ein  paar anderen Abgründen dazwischen: 

4.533 Meter hoch und im Winter schneebedeckt: Ras Daschan Terara, höchster Berg Äthiopiens.

2.400 Meter: Höhe der Hauptstadt Addis Abeba. Zum Vergleich: Die Raxalpe liegt auf 2.007 m, der Dachstein ist 2.995 m hoch

700 US-Dollar: Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner (Österreich: ca. 45.000)

170 US-Dollar: Pro-Kopf Einkommen. Pro Jahr.

169 HDI (Human-Development-Index)-Rang (von 177; Österreich liegt auf Rang 15).

80 % Anteil der Arbeitskräfte, die in der Landwirtschaft arbeiten (in Österreich 3%, 70% arbeiten im Dienstleistungs-Sektor)

55 Jahre: durchschnittliche Lebenserwartung (79,4 in Österreich)

50,3 % Alphabetisierungsrate der männlichen Bevölkerung

38,7 % Anteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze (5,9% in Österreich).

35,1 % Alphabetisierungsrate der weiblichen Bevölkerung 

17,2 % Inflationsrate

16,9 Jahre: Mittleres Alter der Bevölkerung (fast 30 Jahre mehr in Österreich - 41,7)

15 % der Bevölkerung sind an das Stromnetz angeschlossen. 

13 Anzahl der Monate im äthiopischen Kalender: 12 Monate à 30 Tage, 1 Monat à 5 Tage. 

11,1 % BIP-Wachstum  (Österreich: 3,1%) 

6,17 Kinder / Frau (Österreich: 1,38)

3,2 % jährliches Bevölkerungswachstum. (Österreich: 0,064%)

1,2 Millionen Handys. Auf 82 Millionen Einwohner. (Österreich: 9,2 Mio. Handys, 8,2  Mio. Einwohner)

-125 Meter unter dem Meeresspiegel liegt der tiefste Punkt Äthiopiens. 


(Quellen: CIA Factbook, Wikipedia, InWent, Bradt Travel Guide Ethiopia. Bei widersprüchlichen Angaben, habe ich mich hptsl. an die Zahlen aus CIA Factbook gehalten.)